In diesem Jahr mussten wir viele Abschiede hinnehmen.

Im Frühjahr starb meine heiß geliebte SISSY BLÜMCHEN. Sie war Epileptikerin und ist in einem schweren Anfall , den sie mit nunmehr 14 Jahren erlitten hatte, von dieser Welt gegangen.

Die Lücke, die nach IHR entstand,  ist nicht auffüllbar. Es gab und gibt  nur eine Sissy Blümchen für mich.

 

MAMMI, unsere alte Huskyhündin, die sich ein Leben lang tapfer durch die Straßen Madrids geschlagen hat, und schließlich endlich noch einmal ein zu Hause bei uns gefunden hatte, in dem sie es genoß versorgt und gestreichelt zu werden, machte im August die Augen für immer zu.

Sie hatte Leishmaniose und durch einen Autounfall eine schwere Behinderung und war auf einem Auge blind.. Dennoch hatte sie bis zu ihrem Tod alles, was sie in ihrem früheren Hundeleben nicht gehabt hat.

Sie kam mit drei Welpen, die sie trotz ihres hohen Alters noch auf den Madrider Straßen geboren hatte zu uns, und zog diese liebevoll groß.

 

SENTA starb Anfang September überraschend. Sie war 14 Jahre alt und hatte bis auf die letzten Jahre, in denen sie Fremden gegenüber etwas gnädiger gestimmt war, einen schwierigen Charakter , mit dem wir aber sehr gut zurecht kamen.

Manche Besucher werden sich aber an sie erinnern, denn des Öfteren hat sie bevorzugt Männern, in den Allerwertesten gezwickt,. Nie böse, aber doch so, dass es einen ordentlichen blauen Flecken gab.

Senta stand eines morgens nach der Fütterung auf und kam zu mir in die Küche. Sie schaute mich an und legte sich, so wie oft, auf das Podest vor die Treppe und legte den Kopf auf die unterste Treppenstufe.

Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass sie etwas von mir wollte.  Ich spürte den Blickkontakt und sah des Öfteren zu ihr hin. Als ich das letzte Mal nach ihr schaute sah ich, dass ihr Kopf von der Treppenstufe rutschte. Ich war sofort bei ihr, aber sie war schon nicht mehr da.

Im Moment sind wir in großer Sorge um unseren MOZART. Seine Tage sind gezählt und wir müssen daran denken, ihn erlösen zu lassen. Als großer Hund ist er nun 12 Jahre alt und nach und nach versagen sowohl die Knochen, als auch die Organsystheme.

Ich kann mir noch gar nicht vorstellen, dass ich in absehbarer Zeit nicht mehr den Satz sagen werde: „ Mozart, aber ohne Eimer !! „

Immer wenn wir Mozart hereingerufen haben, hat er einen Eimer mitgebracht. Dabei war es ihm völlig egal, ob der mit Futter oder Wasser gefüllt war, und so kam es immer wieder zu großflächigen Überschwemmungen oder zentimeterhoch verstreutem Futter.

Weil mir jeder einzelne Abschied so weh tut, habe ich versucht, mir alles von der Seele zu schreiben:

Die Regenbogenbrücke

Über die Regenbogenbrücke gibt es leider  nur wenige Gedichte und Geschichten .

Ein unbekannter Verfasser hat mit sehr anrührenden und sehr behutsamen Worten in einem   Gedicht beschrieben, wie man es sich dort vorstellen kann.

Dieses Gedicht findet sich auf vielen Tierseiten und es beschreibt, dass es nach dem Tod eines geliebten Tieres eine Brücke gibt, die die Seelen weiterhin miteinander verbindet, und dass die verstorbenen Tiere dort auf ihre menschlichen Freunde warten.

Bestimmt trösten sich sehr viele Menschen nach dem Tod ihres Lieblings  mit der Hoffnung, dass IHR Tier dann dort wartet, bis man sich wieder findet.

Auch ich glaube daran, und manchmal komme ich mit dem Zählen nicht mehr nach, WIEVIELE dort wohl auf meine Ankunft warten.

Wenn alle dort sind, mit denen ich ein Stück des irdischen Weges beschritten habe, dann würden vermutlich meine Hände nicht ausreichen, um alle dem Anlass gemäß begrüßen zu können.

Was ich allerdings auch glaube ist, dass dort die Zeit uneingeschränkt ist, und dass es etwas Wunderbares sein muß, sich mit unendlich viel Zeit und noch viel mehr Liebe, Denen zu widmen, die uns in unserem Leben verloren gegangen sind und die uns so sehr gefehlt haben.

Wenn einem  so viele Tiere durchs Leben begleiten und begleitet haben wie mich, dann schwingt auch immer die Sorge mit, ob man vielleicht etwas hätte Besser machen können. Manchmal wurden die Tiere erst sehr spät aus einem schlechten Leben befreit und sie durften nur noch einen Zipfel Glück erhaschen, bevor sie abberufen wurden. Das tut mir dann für jeden Einzelnen so sehr leid, dass ich manchmal denke, ich habe nicht genug getan!  

In den nächsten Tagen wird unser Mozart über die Regenbogenbrücke gehen. Ein Hund, den ich aus einem sehr schlechten, unwürdigen Dasein  befreit habe ,und der mit uns zusammen ein schönes ausgefülltes Hundeleben genießen konnte. Er war in seinen guten Zeiten  der Rudelchef  und der Verlust seiner Stellung hat ihn – als alter Hund – geschwächt und , zusammen mit allerlei Altersbeschwerden bereit gemacht, bald den Weg über die Regenbogenbrücke zu gehen.

Noch ist er hier, noch atmet er und sein Herz schlägt.

Aber – wir Beide wissen, dass das Ende seiner Tage gekommen ist. Mozart ist Neufundländer und im Frühjahr 12 Jahre alt geworden.

Ich werde soweit ich kann , mit ihm gehen in das andere Land. Aber es wird die Schwelle kommen, ab der ich ihn nicht mehr begleiten darf und kann.

Auch dann bleibt ihm und mir nur das Warten auf den Tag, der uns wieder vereinen wird.

Abschiede sind für mich schwer zu ertragen, da ich schon viele Abschiede in meinem Leben von geliebten Menschen oder Tieren habe hinnehmen müssen.

Ein Gedicht von Mascha Kaléko beschreibt genau das, was ich nach so vielen Abschieden und so großer Trauer immer wieder fühle:

Vor meinem eignen Tod ist mir nicht bang,
nur vor dem Tode derer, die mir nah sind.
Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind?

Allein im Nebel tast ich todentlang
und lass mich willig in das Dunkel treiben…
Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben.

Der weiß es wohl, dem Gleiches widerfuhr
- und die es trugen, mögen mir vergeben.
Bedenkt: den eignen Tod, den stirbt man nur,
doch mit dem Tod der andren muss man leben!

Mascha Kaléko

Könnte ich heute, oder hätte ich jemals von meiner Zeit auf Erden etwas abtreten können, ich hätte es getan. Sowohl  Menschen gegenüber, als auch Tieren.

Mozart war und ist einer, dem ich durchs Leben helfen konnte. Das macht mich glücklich.

Und ich bin sicher, dass ich ihn ihm Regenbogenland – wie alle Anderen – wieder sehen werde.

Die Tatsache, Vielen geholfen zu haben wiegt aber nicht so schwer wie die Erkenntnis, Anderen NICHT geholfen zu haben.

So fehlt mir ein kleines Stück in der Geschichte der Regenbrücke, und ich habe versucht, mich in die Gedanken und Gefühlswelt der Tiere hineinzuträumen, um zu erfahren, WIE es hinter der Regenbogenbrücke, die das Diesseits mit dem Jenseits verbindet, wohl so zu gehen mag.

Ich erhebe keinerlei Anspruch darauf, das was ich mir Zusammenträume auch nur Annäherungsweise stimmt.

Aber, für mich ist es wichtig eine Schiene zu finden, auf der ich mich nicht selbst SCHULDIG sprechen muß.

Ich weiß, das kein Himmels- und kein Lebewesen an mich je den Anspruch stellen würde , ALLE Tiere dieser Welt zu retten.

Dennoch mache ich mir Gedanken um die, die nicht das Glück hatten IHREN Menschen kennenzulernen, der nun an der Regenbogenbrücke sehnsüchtig erwartet wird.

Ich sehe die Tiere vor mir, die einsam und ungeliebt , in Todesangst erstarrt, schreckliche Tode sterben und deren Seelen, ohne die Begleitung menschlicher Liebe und Trauer um sie, den Weg ins Licht antreten.

Ich hatte den Traum, dass alle Tiere , die sich hinter der Regenbogenbrücke die Zeit vertreiben und die sich die Wartezeit auf IHREN Zweibeiner dort mit allerlei lustigen Spielen verkürzen, auch dort leben wie sie es auf der Erde gewohnt waren. Sie leben alle ihre ganz eigenen Charaktere aus, sie sind frei und zufrieden. Sie tollen in der Sonne, und sie kommen sich vor, wie auf der geliebten Hundewiese oder dem Waldweg, auf dem sie mit ihren Besitzern einst entlanggegangen sind. Sie sehen die Sonne, und die Sonne sieht sie. Das bedeutet, SIE WERFEN EINEN SCHATTEN !!  Es ist aber ein besonderer Schatten, den sie werfen. Es ist der Schatten des oder der Menschen, die es geliebt haben.

Nun träumte ich, dass die Tiere, denen es schlecht ging auf dieser Welt, die keine Liebe, keine streichelnden Hände und niemals Beachtung erfahren haben, sich zwar auch auf der Wiese hinter dem Regenbogen tummeln, ABER: Sie haben keinen Schatten. So wie sie unbeschützt durchs Leben gingen, so sind sie auch „ unbegleitet „ angekommen. Sie sind eigentlich wie Geister, die aber dennoch gnädig und liebevoll hinter dem Regenbogen aufgenommen sind. Aber das Leben hat ihnen den begleitenden Schatten eines Menschen, der sie liebevoll umsorgt hat, nicht mitgeben können. Sie selbst merken das nicht. Sie sind ja nichts anderes gewohnt. Sie sind eigentlich nur froh darüber, unbeschwert zu Spielen. Ohne Qual, ohne zu hungern, aber auch ohne Liebeserinnerungen, weil  sie diese ja nie besessen haben. Deshalb fühlen sie sich zufrieden und  sie sind so glücklich, wie die vielen anderen, die all dies in ihrem Leben von ihren Menschen erfahren durften.

Die Tiere, die geliebt wurden und dort oben auf ihr Herrchen oder Frauchen warten, wurden aber eines Tages traurig über das Schicksal dieser „ verlorenen „ Seelen.

Deshalb haben sie beschlossen, den „ Schattenlosen „ zu helfen.

Jedes Mal wenn nun eine „ Schattenloser „ hinter den Regenbogen kommt, löst sich ein Tier aus der raufenden und ausgelassen tobenden Meute, und stellt sich in dem dort immerwährenden Sonnenlicht neben dieses Tier. Es wirft somit seinen eigenen Schatten auf das Tier, so dass der Schatten des glücklichen Tieres auf das der unglücklichen Seele fällt.

In dem Moment, wenn ein Tier dies tut,  fühlt der Neuankömmling all die Liebe, die dem Schattenspender in seinem Leben widerfahren ist. Es spürt in diesem Moment alles, was gute Menschen bereit waren,  dem  Leben dieses Tieres zu schenken.

Völlig hingebungsvoll und ganz tief berührt,  nehmen diese Seelen entgegen, was die anderen Regenbogenbewohner ihnen zu geben haben, und was sie ihnen an Liebe offenbaren..

Wenn sie wieder zu sich kommen, erwachen sie wie aus einem Traum. Sie wurden Teilhaber an dem glücklichen Leben eines der Regenbogenbewohners und -  ab diesem Moment besitzen sie einen eigenen Schatten.

Ausgelassen und vertrauensvoll und voller Glück,  spielen sie nun mit all den Mitbewohnern und sie sind bereit dafür, vielleicht eine eigene Erfahrung zu machen. Bei einem neuen Weg auf die Erde, vielleicht in einem besseren Leben.

Mich tröstete mein Traum und ich bin nun froh, dass VIELE dort oben sind, die einen Schatten – meinen Schatten – mit sich genommen haben.

Mozart wird einst einen großen Schatten werfen….