….Hermann….

     

Als Hermann das erste mal hier in den Vogesen war, sagte er:

„ Mein Gott, ich hab zwar keine Ahnung vom Tierschutz, aber wenn jemand Tierschutz macht, dann bist Du es „. Das hat mich unglaublich stolz gemacht … auch wenn es, wie ER sagte,  aus unberufenem Munde kam….

Er lernte sie alle kennen unsere kleinen und großen Schützlinge, mit all ihren Fehlern , Mängeln  und Eigenheiten. Er kannte bald jede Belle jedes einzelnen Hundes und selbst noch im Krankenhaus, wenn ich ihn an der Leitung hatte, fragte er mich, was denn die Tossa z.B. für  ein Problem hätte, da er ihre Stimme sogar am Telefon erkannt hatte.

Sie liebten ihn alle und schlüpften unter seine Bettdecke, Janna, die Generalblockade bis hin zu Mäuschen unserer scheuen kleinen Griechin. Er eroberte alle Herzen und sah alles: Jeden Misstand, jedes kleine Ding , das gerade am Nötigsten gebraucht wurde, vom Dosenöffner, bis zum Computer, vom Gartenzaun über Schneeketten zum Druckerkabel.

Er liebte die Spaziergänge voller Klamauk und Possen, wenn das Rudel wie wild um die Wette rannte genauso, wie die stillen Abende in denen man aus jeder Ecke und aus jedem Korb nur das regelmäßige Schnaufen und Schnarchen hörte.

Er bewunderte meine Arbeit und das gab mir die Kraft, jeden frühen Morgen mit einem Lächeln aufzustehen, er lobte die Kontinuierlichkeit unseres Einsatzes, und das machte uns glücklich und ließ uns nicht an dem Einklang verzweifeln.

Er half beim Stallbau und bei der Autoreparatur, nichts war ihm zuviel, jede Fahrt, jeder Transport, es gab  nichts, das er nicht für uns und  „ seine „ Tiere getan hätte.

ER sorgte für uns , dachte für uns mit und nahm uns die Angst vor der Zukunft.

 

Seine Krankheit begann im August und er starb am 3.11.05 im Alter von 63 Jahren.

Nur Gott allein weiß, warum dieser Mensch uns nach so kurzer Zeit verlassen musste.

Hermann und ich waren  ein Jahr lang glücklich. Einen Zyklus, mit Frühling , Sommer, Herbst und Winter, durften wir gemeinsam erleben.

Ausgerechnet in dieser Zeit gab es viele Schwierigkeiten und Turbulenzen in meiner Tierschutzarbeit, ich musste kämpfen, mich verteidigen und zu Wort melden. Zum ersten mal im Rahmen meiner Vereinsarbeit  musste ich einen Rechtsanwalt einschalten, weil man mir einfach nicht zuhören wollte und mir unwahre Dinge unterstellte.  Hermann  hatte immer ein offenes Ohr für mich, gab mir manch guten Rat und bestärkte mich in meinem Tun, glaubte mir und tröstete mich über manche persönliche Enttäuschung hinweg.

Oft saß er hier und  hörte den langen Telefonaten zu, die ich führen musste, weil ich kämpfen wollte.

Heute tut es mir um jede Sekunde leid, die ich nicht mit IHM geredet  habe, weil mir andere Dinge wichtiger schienen. Wie viel sinnvoller wäre es gewesen, diese Zeit mit ihm zu verbringen, als mit unnutzen Gesprächen, mit selbstsüchtigen Menschen, bei denen am Ende eh nichts Brauchbares herausgekommen ist und die sowieso  nicht von ihrem selbsternannten Thron zu stoßen sind, da sie sich für unfehlbar halten.

Hätte ich gewusst, dass Hermann sterben wird, wäre dies alles viel früher völlig nebensächlich für mich gewesen.

 

Nun gibt es ihn nicht mehr, er kann uns und mir mit seiner Liebe und Fürsorge nicht mehr helfen. Das ist eine bittere Tatsache, an die ich mich nur schwer gewöhnen kann.

Draußen schneit es und der Wind heult ums Haus, Kälte schleicht sich bis in mein Herz und ich werde Zeit brauchen, viel Zeit, um mich von diesem Verlust zu erholen.

Ich zünde eine Kerze an und ich denk zurück an die vergangenen Monate, Tage und Wochen und bin dankbar, dass ich sie erleben durfte.