Der Himmel ist blau über Cadiz………
 

Urlauber sonnen sich am Strand, Kinder sammeln unbeschwert Muscheln.

Die Sonne scheint und die Menschen sind in Urlaubsstimmung.

Modische Badekleidung an knackbraunen Körpern, klares Wasser , welches das Sonnenlicht reflektierend leise vor sich hinrauscht  - 

Sommerstimmung wie aus einem Spielfilm.

250 Meter weiter hinten, im Landesinneren,  das Grauen:

Die Tötungsstation von Cadiz.

Nahezu 200 Hunde und ungefähr die Hälfte Anzahl Katzen warten dort auf ihr grausames Ende. Noch wissen sie nicht, was auf sie zu kommt. Oft ist ihnen der Urlaub zum Verhängnis geworden, den Menschen ja offensichtlich so sehr lieben.

So sehr, dass sie sich des ansonsten vielleicht einmal sehr geliebten Haustieres entledigt haben,  um unbeschwert die schönsten Wochen ihres Lebens genießen können.

Es gibt manchmal verzweifelte Szenen – die selbst die hartgesottene Perrera-Mitarbeiter nicht kalt lassen. Da gibt es Kinder, die sich ans Fell ihrer Hunde krallen, bevor diese in irgendeiner Zelle verschwinden.

Die weinend und schluchzend dennoch von ihren Eltern ins Auto gezerrt werden , wo man ihnen sicherlich erklären wird, dass das Tier sehr krank war und deshalb abgegeben werden musste, oder dass es sich freuen würde, dort mit anderen Hunden spielen zu können, oder, oder , oder ……….

Die Wahrheit ist grausam, so grausam, dass es mir schwer fällt, darüber zu berichten.

Der Hilferuf kam schon vor Wochen – es hieß – man sei voll und müsste nun anfangen zu töten….

Ich habe ihn einfach weitergeleitet an meine vielen Tierschutzfreunde- und Freundinnen, die wie ich selbst – tagtäglich hunderte von Hilferufen aus verschiedenen Erdteilen erhalten. Jeder tut was er kann.

Ich wollte nicht mehr beteiligt sein an dem Grauen, das sich jedem unweigerlich öffnet, der mit Cadiz zusammen arbeitet.

Ich habe mich an meinem Stück „ heile Welt „ festgehalten und gehofft, dass irgend jemand anderer sich einsetzen würde, für die, die dort nichts ahnend auf ihr Ende harren, und habe gehofft dass andere noch mehr Kraft haben als ich, die manchmal die Last auf den Schultern fast nicht mehr tragen kann.

Ich habe die Gedanken an diese Tiere weggedrückt und habe mich lieber an den Gesichtern meiner eigenen Hunde gefreut, wenn sie abends friedlich schnaufend um mich herum lagen.

Aber dann kam eine weitere  herzergreifende mail von Susanna aus Spanien und sie hat mir Bilder in dieser mail mitgeschickt, und ich konnte nicht mehr wegsehen.

Nun waren sie da, diese Augen in unschuldigen Hundegesichtern,  die mich noch so freundlich und fast lachend ermahnten, sie nicht zu vergessen:

      

Erwartungsvoll und voller Vertrauen, nicht ahnend dass die dunklen Wolken am Himmel sich schon zusammenbrauen, schauten sie mich an:

Die Hunde aus der Tötung Cadiz.

Denen, die schon länger dort sind, sieht man es an:

  

Hunde, die sich aufgegeben haben, angstvoll oder völlig resigniert einfach nur noch warten, was der Tag bringen wird und – ob der Morgen noch einmal für sie anbrechen wird.

Bei 200 Hunden und jeden Tag ca. 20 neuen Tieren,  ist es nicht mehr möglich, allen zu helfen.

Der Infektionsdruck, der unfähige Tierarzt, die abgestumpften Pererra-Mitarbeiter,

alles ist einfach nur eine Elendsmaschinerie, die den, der in ihr Getriebe geraten ist, nicht mehr frei lässt.

Es werden Fehler gemacht. Fehler, die – wenn man sie erkennen und beheben würde – Leben über Leben retten würde.  Unverzeihlich mit welcher Arroganz über Verbesserungsvorschläge hinweggesehen wird.

Es ist dort nicht möglich, Menschen zu finden die sich für die Problematik  interessieren, geschweige denn, bereit wären, etwas zu ändern.

So beginnt der tödliche Kreislauf mit dem Eintritt der Hunde in die Perrera.

Die meist nicht geimpften Tiere geraten innerhalb kürzester Zeit unter einen immensen Infektionsdruck, der durch die unhygienischen Verhältnisse noch verstärkt wird.

Bis ihre Bilder auf der  www.prodean.com Seite vorgestellt werden, vergehen oft Tage.

Wenn sich ein Verein dann einen Hund reservieren lässt wird er zwar durch die Impfung und den Chip auf die Reise vorbereitet, meistens befand er sich aber bereits in einer Inkubationszeit einer der dort herrschenden Seuchen , erkrankt und verendet qualvoll.

Eine Augenzeugin, die letzte Woche in der Perrera war um Hunde abzuholen, schrieb mir u.a. folgendes:

„Ich war vor ein paar Tagen in Cadiz und habe den Horror dort selbst gesehen, wollte dann u.a. den alten Brucete reservieren, hörte aber dann, daß du das schon getan hast. Und noch einige andere Hunde , soviel ich weiß.

Ich kann dir nur raten, beeile dich, bevor es zu spät ist. Die Hunde verrecken dort in ihrem Blut und ihrer Scheiße und der Dreckstierarzt läuft täglich ein paar mal vorbei, ohne hinzuschauen. Da waren Hunde, wo eine Todesspritze die einzige Gnade wäre. „

Ebenfalls erschütternd war der Bericht der Tierärztin, die ehrenamtlich dort in ihrer Freizeit arbeitet. Sie schrieb mir auf meine Bitte, doch die Hunde gleich bei Eintritt in die Pererra impfen zu lassen, damit sie wenigstens die Chance haben Antikörper gegen die Seuchen zu bilden, bevor sie damit konfrontiert werden, sinngemäß folgendes:

„ Es ist ein Traum, die Hunde gleich bei Eintritt impfen zu lassen. Der Doktor sollte es tun, aber er kümmert sich nicht darum. Ich habe zu wenig Zeit , um in die Pererra zu gehen, bin müde und ausgebrannt nach den vielen Jahren – und konnte bei der ganzen Arbeit nichts ändern. Es sind zu wenig Helfer, die Bilder von den Hunden machen  und die Buchungen für die Vereine ernsthaft registrieren. Sie gehen nun dazu über, dass die gebuchten Hunde sofort aus der Perrera müssen, weil kein Platz vorhanden ist und drohen damit sofort zu töten , wo soll man sie aber hinsetzen ?“

Ich selbst bin leer und verzweifelt und weiß nicht mehr, was ich noch tun kann.

Das ist die aktuelle Situation unter dem blauen Himmel von Cadiz.

Wir hoffen und beten, dass die für uns gebuchten Hunde die Wartezeit bis zur Reise gut überstehen.

Ich denke jeden Abend an sie und wieder ist es da, dieses Leid, das ich eigentlich nicht mehr haben wollte und das mir mein Herz schwer macht, diese Machtlosigkeit , die Verzweiflung und ohnmächtige Wut darüber, dass es nicht in unsrer Hand liegt, das man vielleicht mit dem Tod einiger unsrer Hunde rechnen muß , dass die Uhr tickt und keiner weiß , in welche Richtung das Schicksal umschlagen wird

Und noch etwas bekümmert mich – dass es fast niemanden berührt, das Schicksal der Hunde in der Tötung -

die Urlauber am Strand von Cadiz jedenfalls nicht.

Ich möchte Sie bitten, mit uns zusammen an die Hunde zu denken , die im Moment noch in der Hölle sind und von denen wir hoffen, sie bald in unsere Arme schließen zu können.

Ich möchte Ihnen keine Bilder zeigen, weil ich nicht weiß, ob alle unversehrt bei uns ankommen werden.

Aber ich werde Ihnen die Namen nennen und vielleicht stimmt es ja, was man über die Kraft der Gedanken sagt und vielleicht werden unsere Gedanken zu Flügeln die dort die Kraft hintragen, wo sie so bitter benötigt wird:

Nach Cadiz – 250 m vom Strand entfernt – zu den Hunden in der Tötung -:

Melody, Marx, Mauri, Maxi, Mao, Pobli, Brucete, Tinia, Nouqueta, Piquito, “Namenlos 11 Jahre, Yorko,  „Namenlos 2 „ mit Welpen