Von Zuständigkeiten und Verantwortungen …

Es passiert ja oft, dass wir mit Dingen im Bereich des Tierschutzes konfrontiert werden, die kurios und manchmal ziemlich bizarr sind.

So hatten wir schon eine Entenfamilie auf dem Hochhausdach, einen hinter einem Heizkörper eingeklemmten Igel, sowie in Kamine gefallene Vögel.

Was sich im Moment in der Karlsruher Nordwest-Stadt abspielt, ist aber der absolute Höhepunkt: 

Der Anruf kam sonntags und ich staunte nicht schlecht . In den Garten eines Einfamilienhauses hatte sich ein junger Rehbock verirrt, der sich dort an den Reben gütlich tat und keinerlei Anstalten machte, wieder abzuwandern.

So verbrachte er schon mehrere Tage in dem – für ihn wohl attraktiven Garten – und auch die Hoffnung, er könnte über Nacht wieder verschwinden, erwies sich als Trugschluß.

Die erschwerende Tatsache bei dem Standort des Rehbockes ist, dass er nur einen einzigen Ausweg aus dem Grundstück hat, nämlich durch die Toreinfahrt, die dann aber genau auf die Straße führt.

Auch in der  Nacht von Sonntag auf Montag, hoffte ich vergebens , dass es den Rehbock wieder zu seinen Artgenossen in den Wald ziehen könnte.

Also nahm ich die Angelegenheit am Montagmorgen dann in Angriff.

Mein erstes Ziel war der Naturschutzbund, was ich naheliegend fand. Allerdings wurde mir dort gesagt,  dass man nur eine Auffang – und Pflegestation unterhalten würde.

Die Zuständigkeit läge im Bereich der Polizei, da es sich um ein ( der Atem stockte mir ) „ JAGDBARES WILD handele.

Nächstes Ziel war der Karlsruhe Zoo, wo man zwar mitfühlend war, allerdings dann aber auch nichts unternehmen wollte, da es sich bei der Nordweststadt nicht um den Zuständigkeitsbereich des Zoos ( warum auch immer ) handelt.

Dort gab man den Rat, man sollte den Zaun in einer Ecke herunterdrücken, damit das Reh heraus kommen kann.

Das würde ihm allerdings aber nichts nützen, da es dann im nächsten umfriedeten Grundstück landen würde.

Danach versuchte ich mein Glück bei der Feuerwehr, und BINGO , es wurde Hilfe zugesagt.

Allerdings bräuchte man für einen Einsatz, den dazugehörigen Auftrag von der Polizei.

Mein Anruf bei der Polizei ergab, dass man die Sachlage kannte, dass aber der zuständige Jagdpächter zuständig sei. Dieser sei der Meinung, dass das Reh irgendwann wieder alleine aus dem Garten abwandern würde.

Da das Reh ja im Moment keine Gefahr für die Öffentlichkeit darstellen würde, wäre somit ja auch keine Gefahr im Verzug, und deshalb würde man den Auftrag nicht geben, die Feuerwehr zur Bergung des Tieres anzufordern.

Bei all den Versuchen die ich unternommen habe, hatte ich immer so ein leichtes Kribbeln im Hinterkopf, dass irgendeiner mal auf die Idee kommen könnte zu sagen, dass der Abschuss des Tieres wohl die einfachste und beste Lösung sei.

Zu meiner Erleichterung blieb diese schlimmste Variante der Bergung des Tieres außen vor, da ein Schusswaffengebrauch im Wohngebiet nicht so ohne weiteres vertretbar ist, eben auch nur wenn Gefahr im Verzug …. usw. usw.

Der letzte Versuch war dann der Tierarzt, von dem ich weiß, dass er ein Betäubungsgewehr hat, das u. Umständen zum Einsatz kommen kann.

Der Tierarzt fühlte sich aber auch nicht zuständig, da der Jagdpächter zuständig sei, und alles was an diesem vorbei ginge, den Tatbestand der „ Wilderei „  beinhalten würde.

Der nette Polizist im Revier Mühlburg hatte aber dann irgendwann mal herausgefunden, dass als letzte Zuständigkeit die Entscheidungsgewalt bei der Polizeibehörde zu liegen hätte. Den mir dort genannten Herrn B. wollte ich aber nicht anrufen, da er bei einer ähnlichen Angelegenheit bei der es um einen Hund ging, den Schusswaffengebrauch dem Betäubungsgewehr vorgezogen hat, und die Tatsache, dass es sich dort ebenfalls um ein „ Wohngebiet „  gehandelt  hat, hat ihn damals nicht interessiert.

Der mir ebenfalls genannte Herr G. von der Jagdaufsichtsbehörde möchte auch abwarten, bis das Reh von selbst aus der Ausfahrt läuft.

Nur, wo soll es denn dann hin ? Ein wenig in der Nordweststadt herumspazieren ?

Ich meine, dass  in diesem Fall die Verantwortung von Einem zum Anderen geschoben wird und keiner so richtig was machen will.

Heute Morgen hat dann ein anderer Polizist den Besitzern des Hauses mit dem „ reh-freundlichen „  Garten geraten, dass sie – falls sie das Reh nicht weiter in ihrem Garten haben wollen – des nachts versuchen sollen, es herauszuscheuchen.

Gute Idee , oder ?

Ich möchte dann nicht der Autofahrer sein, dem dieses arme Tier dann , vermutlich völlig in Panik, vor die Räder läuft.

Aber vielleicht wäre das dann ja auch ein Fall für Gefahr im Verzug ? Und dann würde wieder die Schusswaffe zum Einsatz kommen.

Das wollen weder die Beteiligten „ Rehbesitzer „ wider willen, noch ich, noch der Naturschutzbund, noch der nette Herr vom Karlsruher Zoo, noch der noch nettere Polizist, noch die so hilfsbereite Feuerwehr, noch  der Jagdpächter  - aber – vorsicht RISIKO !!!!!  vielleicht ein Herr B. von der Polizeibehörde ?

Dann darf das Reh eben noch bleiben und die Angelegenheit wird vertagt. Auf wann ? Bis es vielleicht nichts mehr zu essen hat, oder evtl. doch vielleicht einmal nachts verschwindet.

Ich steh im Moment kopfschüttelnd vor diesem Problem und hoffe, dass vielleicht einem von Ihnen – liebe Leser – die rettende Idee kommt.

Sind wir in unserem Staat tatsächlich darauf angewiesen, dass jemand Zivilkourage hat -- und was gibt es auf Wilderei ?

Ratlose Grüsse

Marion Noss