Ein lesenswerter Bericht von Cornelia Baumsteger, die die immerwährende Diskussion über Auslandstierschutz genau auf den Punkt gebracht hat. Da gibt es nichts mehr hinzuzufügen:

Hunde aus dem Süden –
Pro und Contra

Von Cornelia Baumsteiger

In Servicezeit: Tiere suchen ein Zuhause werden immer wieder Hunde vorgestellt, die Tierschützer aus südlichen Urlaubsländern gerettet haben. Das erregt viel Zustimmung, aber auch heftige Kritik.

„Tierschutz kann nicht an Landesgrenzen aufhören, denn in vielen Urlaubsländern leiden Tiere entsetzlich“, sagen die einen. „Wir haben in Deutschland genug arme Tiere“, ist das Gegenargument. Das elende Leben der Straßenhunde, die qualvolle Haltung von Kettenhunden und die schlechte Haltung in vielen südländischen Tierheimen haben die Befürworter der Vermittlung „ausländischer“ Hunde in deutsche Haushalte motiviert.

Viele deutsche Touristen bemerken das tierische Elend in nächster Nähe nicht einmal oder fühlen sich gestört. Sie erheben Anspruch auf einen „wolkenfreien“ Urlaub und schließen in diesen Anspruch auch straßentierfreie Hotelanlagen und Shoppingzentren ein. Diese Haltung ist unzähligen Hunden und Katzen zum Verhängnis geworden. Denn um ihre Kunden zufriedenzustellen, lassen manche Gemeinden und Hotels die Tiere vergiften oder einfangen und in Tötungsstationen unterbringen, in denen sie nach Ablauf einer kurzen Frist sterben müssen.

Das wiederum hat Tierschützer auf den Plan gerufen: Da in den südlichen Urlaubsländern Tierschutz keine oder nur eine sehr geringe Rolle spielt, gibt es vor Ort kaum organisierten Tierschutz von Einheimischen. So sind zahlreiche von Deutschen oder anderen Ausländern initiierte Projekte entstanden, die in den jeweiligen Ländern leben und den Umgang der Bevölkerung mit Tieren nicht mehr ertragen konnten. Es wurde Land gekauft oder gepachtet, einfachste Tierheime gebaut, Pflegestellen gesucht, Kastrationsstationen eingerichtet und Futterplätze bestückt.

Mit meist wenig Geld, ständigen Anfeindungen aus der Bevölkerung und Schikanen durch die Behörden ist diese Arbeit kraftzehrend und von Misserfolgen begleitet – und letztlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Schnell sind die Tierheime oder Unterbringungsmöglichkeiten überfüllt, oft fehlt das Geld für das Nötigste. Dann stehen engagierte Tierschützer trotz aller Mühe wieder am Anfang. In dieser Situation ist der Transport zumindest einiger Tiere nach Deutschland, wo sie sich in der Regel schnell vermitteln lassen, die einzige Hoffnung.

Denn im Land selbst ist Vermittlung der Tiere kaum möglich. Wenn Tierschützer die Fund- und Straßentiere gesund pflegen und sie dann doch nicht retten können, weil es keine Unterbringung mehr gibt, ist das für die engagierten Aktivisten sehr frustrierend.

In Deutschland ist die Nachfrage nach lieben kleinen Familienhunden sehr groß. Sie kann nur durch Zucht befriedigt werden oder eben durch „Importe“ ausländischer Hunde. Viele Tierschutzvereine sehen nicht ein, dass in Deutschland Hunde gezüchtet und nur zwei Flugstunden von uns entfernt massenhaft liebe, freundliche Hunde getötet werden. So haben zahlreiche Tierheime oder Tierschutzvereine Partnerschaften mit Tierschutzprojekten im Ausland aufgebaut. Das Europäische Tierhilfswerk unterstützt viele Kooperationspartner in Südeuropa. Auch der Deutsche Tierschutzbund fördert solche Vertragstierschutzvereine. Zusätzlich werden immer mehr Touristen vor Ort auf die Arbeit deutscher Tierschützer aufmerksam.

Viele Vereine nehmen, wenn die Kapazitäten des Tierheims das erlauben, Hunde aus Spanien auf und bewahren sie so vor dem sicheren Tod. In der Regel sind Hunde aus dem Süden besonders anhängliche und soziale Tiere, die sich gut und schnell vermitteln lassen. Die schlechte Erfahrung mit Menschen vergessen sie bald und genießen jede Zuneigung.

Das hat sich unter Interessenten herumgesprochen, und so kommen Besucher in das Tierheim, die gezielt nach solchen Tieren fragen. Hohe Besucherzahlen verbessern aber die Vermittlungschance für alle Hunde – auch deutsche!

Jeder Tierschutzverein weiß, wie viele Interessenten nach kleinen Hunden suchen und keine finden. Diese Leute würden niemals einen Schäferhund, Rottweiler oder Dobermann zu sich nehmen. Andere suchen junge Hunde, die ebenfalls Mangelware in den Tierheimen sind. Die große Überzahl von Hunden in deutschen Tierheimen sind große, ältere, schwierige Tiere. Nicht zuletzt ist ja die Servicezeit: Tiere suchen ein Zuhause dafür da, für solche schwierigeren Fälle die richtigen Menschen zu finden.

Schleppen Tiere aus dem Ausland Krankheiten ein? Die Mehrzahl der seriös arbeitenden Tierschützer, die Hunde aus dem Süden retten, führen nur gesunde Tiere ein. Impfen, Befreiung von Parasiten und Leishmaniose-Tests gehören zum Standard.

Eine Schutzgebühr, die dann verlangt wird, deckt in der Regel nur einen Teil der entstandenen Kosten. Sie der Gewinnorientierung zu bezichtigen, ist eine Verunglimpfung all der Tierschützer, die ihre ganze Freizeit, viel eigenes Geld und Kraft investieren. Tatsächlich ist es wichtig, den Gesundheitszustand der Tiere zu überprüfen, die nach Deutschland eingeführt werden. Eine Tollwutimpfung, die mindestens vier Wochen alt ist, ist absolute Pflicht.

Eine gültige Komplettimpfung sollte ebenfalls vorhanden sein. Da erschreckend viele deutsche Tierärzte über Krankheiten nicht Bescheid wissen, die rund um das Mittelmeer vorkommen, ist es unerlässlich, am Ort testen zu lassen.

Leishmaniose, Ehrlichiose und Filaria sind Krankheiten, an denen importierte Hunde sterben, wenn diese nicht erkannt werden. Diese Krankheiten sind jedoch, anders als Veterinäre immer noch behaupten, keine Seuchen. Besonders von Leishmaniose wird gerne behauptet, sie sei übertragbar auf Mensch und Hund. Immer wieder werden Besitzer von Hunden, bei denen die Krankheit festgestellt wurde, unnötig und verantwortungslos von Tierärzten in große Sorge versetzt.

Eine Übertragung auf Menschen ist aber niemals nachgewiesen worden. Bezüglich der Hunde spukt ein unbewiesener Fall durch die Literatur. Leishmaniose wird von Insekten übertragen, die rund um das Mittelmeer vorkommen. Nur sie tragen die Parasiten von Hund zu Hund oder Mensch. Deutschland ist diesen Insekten zu kalt, Mallorca aber, das von Millionen deutscher Urlauber besucht wird, ist besonders befallen. Viele von ihnen müssten mit Leishmaniose infiziert aus dem Urlaub kommen.

Vorsorglich sollte jeder, der einen Hund aus dem Mittelmeerraum besitzt, den Tierarzt über diese Tatsache informieren. Das gilt auch für all diejenigen, die ihren Hund einmal mit in den Urlaub genommen haben. Auf innere und äußere Parasiten ist besonders zu achten. Logischerweise sind schlecht ernährte Streuner von allen Arten dieser ungebetenen Gäste befallen. In den meisten Fällen bedrohen sie das Leben der Tiere nicht, übertragen sich aber sehr schnell, sind höchst lästig, hartnäckig und mitunter langwierig zu bekämpfen. Wer also einen Hund oder eine Katze im Urlaub auf der Straße findet, sollte sich die Mühe machen, einen Tierarzt aufzusuchen, idealer Weise ein Tierheim unter deutscher Leitung, und das Tier nicht ohne Impfung und Beratung nach Deutschland mitnehmen.

Wenn Zöllner Tiere ohne gültigen Impfausweis entdecken, gibt es Ärger für die Begleiter: Entweder wird das Tier auf deren Kosten unverzüglich zurückgeschickt und wieder ausgesetzt. Oder es darf bleiben, aber in Quarantäne. Das kann den Tierfreund dann schnell einige tausend Euro kosten. Ein Tourist darf außerdem maximal drei Tiere mit nach Deutschland bringen.

Ausnahmen existieren für Mütter mit Welpen. Für die Kleinen gilt dann der Impfschutz der Mutter. Grundsätzlich ist vorab eine Information über die Pflichten und Rechte bei der Einfuhr von Tieren aus Urlaubsländern sehr hilfreich, um Probleme am Zoll zu vermeiden.

Ein Argument der Importgegner jedoch trifft zu: Importe sind keine Lösung des Tierelendes! In den betroffenen Ländern selbst muss erst noch vieles geändert werden. Erziehung zum Respekt vor anderen Lebewesen und zur Verantwortung für Mitgeschöpfe ist eine schwere Aufgabe. Kastration der Tiere zur Vermeidung massenhafter Vermehrung wäre die wichtigste Maßnahme. Aber gerade das stößt bei der Bevölkerung und bei Tierärzten auf heftigen Widerstand, nicht zuletzt aus religiösen Gründen.

Trotzdem werden von hier aus bereits Kastrationsprogramme organisiert. Deutsche Tierärzte operieren kostenlos vor Ort. Der Tierschutzverein „Tierhilfe Süden“ hat sich ausschließlich Tierschutz außerhalb Deutschlands zum Programm gemacht.

Alles ist aber bisher ein ganz kleiner Anfang. Europapolitiker interessieren sich kaum für Tierschutz. Gerade auf die Länder, die in die Gemeinschaft aufgenommen werden wollen, könnte man Druck ausüben. Anfragen von Tierschützern blieben bisher ohne Wirkung.

Touristen könnten Druck auf die Lokalpolitiker ihres Urlaubsorts oder auf Reiseveranstalter ausüben. Wenn keine Touristen mehr kommen würden, würde mit Sicherheit schnell umgedacht. Solange Tierschutz eine so kleine Lobby hat, kann man es den Tierfreunden nicht verdenken, Hunde und Katzen durch eine Vermittlung nach Deutschland zu retten.

Auch wenn das Problem grundsätzlich nicht gelöst ist, für das einzelne Tier ist es die Lösung. Deshalb ist es gleich, ob es in Deutschland oder in Griechenland leidet, hier bekommen Tiere aber eher Hilfe, dort nicht! Tierschutz ohne Grenzen sollte im vereinten Europa eigentlich selbstverständlich sein.