Jahresrückblick 2008

Ein schwieriges, schmerzhaftes Jahr 2008 liegt nun fast hinter uns, und ich komme nicht umhin ein Resümee zu ziehen, über Geschehnisse, Auswirkungen und Entscheidungen.

Die Berichte, die ich in den letzten Tagen vor Weihnachten auf meine Homepage gesetzt habe, zeigen zwar eine heile Welt. Diese betrifft aber nur die Tiere. Noch !
Aus diesem Grund sind diesem Bericht auch keine Bilder hinzugefügt. Ich möchte heute von der heilen Welt abkommen, und einen nüchternen Jahresrückblick machen.

Ich will mich nun nicht mehr darauf einlassen, welche Auswirkungen und Spuren rund um die Räumung der Tiervermittlungsstelle Obernheim , auf meine Person gehabt haben.
Diese habe ich unter dem Bericht "Danke" in etwa, zusammengefasst.

Was sich in diesen letzten Weihnachtstagen des Jahres 2007 als "Rettungsaktion" getarnt abgespielt hat, war ein Machtkampf unter Tierschützern, der sich in dieser Branche wahrscheinlich noch hundertfach wiederholen wird. Das Verdrehen von Tatsachen, die Verunglimpfungen und Vortäuschung falscher Sachverhalte, war ein Bestandteil dessen.

Über Inhalte der verschiedenen Zeitungsartikel, der Akte , der Ermittlungsberichte und der zuletzt ausgesprochenen Einstellung des Verfahrens gegen Nady E., will ich mich heute ebenfalls nicht mehr äußern. Diese sind den Lesern sicherlich aus den verschiedentlich erschienen Berichten auf meiner Homepage, u.a. auch auf www.tierschutz-schatten-seiten.com, bekannt.

Was an Auswirkungen diese "Rettungsaktion" heute noch für uns spürbar sind, habe ich auch schon beschrieben.

Was mich aber sehr betroffen macht ist, dass trotz mündlicher Absprache zwischen unserer Rechtsanwältin und dem zuständigen Staatsanwalt, bis jetzt die Adressen der Familien, an die die Hunde angeblich von den verschiedenen Tierheimen vermittelt worden sind, den Eigentümern, d.h. den Vereinen aus Griechenland, Spanien und der Slowakei, nicht bekannt gegeben worden sind.

Die Tierheime berufen sich nun auf den Datenschutz, den sie aber durch eine Willenserklärung der neuen Besitzer, in den Abgabeverträgen der von den verschiedenen Vereinen stammenden Tieren, hätten durchaus umgehen können.
Es ist an der Tagesordnung im Tierschutz, dass  den sendenden Vereinen die Adressen der neuen Besitzer bekannt gegeben werden. Sei es, um nur mal eine Weihnachtskarte zu schicken, oder persönlich  Danke zu sagen, dass ein vom Tode bedrohtes Tier doch noch sein Glück gefunden hat, sei es um einmal ein Bild eines Welpen zu erhalten, der sich zu einem erwachsenen Hund gemausert hat.

So kann ich die verschiedenen Vereine, von denen die Hunde gesendet worden waren, also nur an den damals zuständigen Staatsanwalt in Zweibrücken verweisen, der evtl. aber auch nur wenn er nicht gerade in Urlaub weilt, und danach vielleicht aus seinem Desinteresse  der dringenden Verweilfrage der Hunde erwacht,  gewillt ist  noch einen Vorstoß in dieser Richtung bei den verschiedenen Tierheimen zu wagen.
Da das Verfahren gegen Nadya E. mit der Einstellung abgeschlossen ist, läge kein zwingender Grund vor, den sendenden Vereinen die Adressen nicht mitzuteilen.

Gerade in der letzten Zeit werden Stimmen aus den verschiedenen Ursprungsländern laut, die den europäischen Tierabnehmern, seien es Vereine oder Privatpersonen, die Vermarktung der Hunde und Katzen in Bereiche unterstellen , von denen ich bisher überzeugt war, dass diese niemals als Verbleib für Tiere aus Tötungsstationen oder aus anderen Quellen, in Frage kommen würden.
Deshalb ist es sehr wichtig, transparent zu arbeiten. D.h. , dass man den Verbleib eines Tieres lückenlos nachweisen kann.
Dies ist unbedingt erforderlich, wenn man diesen Gerüchten und Anschuldigungen den Wind aus den Segeln nehmen will.
Die Bekanntgabe der Adressen der vermittelten Tiere, sollte also auch im Interesse der Tierheime liegen, die Hunde aus Spanien, Griechenland und Tschechien vermittelt haben.
Es gibt inzwischen fast kein deutsches Tierheim mehr, das keine Hunde oder Katzen aus dem Ausland zur Vermittlung aufnimmt, und auch da wird es ebenfalls die Gepflogenheit sein, die Endadressen bekannt zu geben.
Ich meine, damit tut man sich nicht weh und der Verdacht, die Tiere könnten anderswo gelandet sein, oder gar wegen Unvermittelbarkeit eingeschläfert worden sein, läßt sich dadurch schnell entkräften.

Eben aus dem genannten Grund der Transparenz veranstalteten wir alle zwei Jahre ein Treffen der von uns vermittelten Hunde mit ihren neuen Besitzern, um kund zu tun, dass diese noch leben und auch wohlbehütet sind.

Konsequenzen die sich aus den Vorkommnissen für mich ergeben haben sind:

Ich werde keine Tiervermittlung mehr betreiben.
Gründe:
Da ich selbst nicht in der Lage bin, eine Tiervermittlungsstelle, die sich mehr als zwei Stunden Fahrtzeit von meinem Gnadenhof entfernt befindet adäquat zu betreuen, um Aus- und Abgänge zu betreuen, wird es eine solche in der Zukunft nicht mehr geben.
Insbesondere wäre es schwer eine Person zu finden, die vertrauenswürdig und in der Lage ist, Tiervermittlungen korrekt und innerhalb der gesetzlichen Normen vorzunehmen.
Sollte es so eine Person geben , müssten die örtlichen Begebenheiten geeignet, die gesetzlichen Bestimmungen eingehalten , sowie auch das notwendige Budget vorhanden sein. Das ist im Moment aber leider nicht aufzustocken, und somit ist eine Tiervermittlungsstelle , die genau nach diesen Regeln arbeitet, nicht realisierbar.

Die Tiervermittlung von Frankreich aus ist aus Zeit- und Entfernungsgründen fast - bis auf wenige Ausnahmen - ausgeschlossen.
Die Anzahl der zu vermittelnden Tiere wird in Frankreich sowieso reduziert, so dass es sich danach nur noch um die Gnadenhoftiere handeln wird, und die Tiervermittlung Frankreich ein Auslaufmodell ist.

Das ist aber nicht der einzige Grund:

Auslandstierschutz zu betreiben, bedeutet dass man sich oft am Rande der Legalität bewegt.
Des Öfteren werden Tiere noch in letzter Minute mit auf den Transport gesetzt, die dann die nötigen Impfungen noch nicht nach dem gesetzlich vorgeschriebenen Standard erhalten haben.

Bittere Erfahrungen mussten wir deshalb auch schon mit Transporten aus Cadiz machen, denn dort wurden Hunde mit einer bereits ausgebrochenen Parvovirose mit auf den Transport geschickt, mit der andere Hunde, die noch keinen aktiven Impfschutz besaßen, danach ebenfalls infiziert wurden.

Manche der Verantwortlichen der sendenden Vereine haben auch keine Probleme, Hunde mit bereits vorhandenem Zwingerhusten mit auf Transporte zu schicken, obwohl bekannt ist, dass diese Hunde in einen Rudelbestand aufgenommen werden.
Egal , wie man es sieht, liegt es wohl daran, dass die Betreiber oder Betreuer der sogenannten Tiertötungsstationen sicherlich versucht sind, so viele Tieren als möglich, in ein neues Leben in einer Gesellschaft, die Tiere nicht unbedingt nur als störend empfindet, reisen zu lassen.
Andererseits sind sie es aber , die diese sogenannten "Seuchentransporte" auf dem Gewissen haben, und den empfangenen Vereinen nicht nur hohe Tierarztkosten, sondern auch zurecht den Ärger mit den zuständigen Behörden bescheren.

Die Wenigen, die Tiere unter wirklich optimalen Umständen und mit den notwendigen Impfungen, Tests und Papieren geschickt haben, verschwinden unter dem Gros derer, die nicht korrekt arbeiteten, dies aber reglementieren und auch heute noch meinen, richtig gehandelt zu haben.

Was aber fast der wichtigste Punkt der Aufgabe der Tiervermittlung für mich ist, dass wir immer weniger Menschen finden, die ein Tier , sei es Hund oder Katze, einfach so zu nehmen gewillt sind, wie es ist, wenn es aus entweder einem vertrauten Lebensbereich herausgerissen wurde, oder aus einer Tötungsstation , bzw. einem Tierheim kommt.
Immer mehr geht der Gedanke, sich ein Tier ins Haus zu holen, in das Konsumdenken des Anschaffens über.
Ein Hund muß funktionieren, und darf - selbst wenn er als Welpe und somit als unbeschriebenes Blatt in der Familie ankommt, sich keinerlei Fehlentwicklung leisten.
Genau diese ist oft aber bei unbedarften Tierhaltern vorprogrammiert und bis auf wenige Ausnahmen KANN ein Tier auf einem solchen Platz nicht glücklich werden.

Ich sehe es ja tagtäglich hier bei unseren Tieren. Wir kennen jedes Tier genau, wissen genau über die verschiedenen Verhaltensmuster Bescheid, gehen darauf ein und versuchen diese so weit als möglich auszugleichen.
Es gibt nicht nur LIEBE Hunde, und es gibt nicht nur VERSCHMUßTE Katzen. Die Erwartungshaltung der neuen Besitzer einem Tier gegenüber schließt aber genau dieses Klischee-Denken ein. Der Hund muß sich anpassen muß ein Mitglied der Familie werden.
Das neue Herrchen oder Frauchen, will formen und somit verformen.
Das wünsche ich mir für keines unserer Tiere. Oft sind es ja nur kleine Eigenarten, die mit Liebe und Geduld zu glätten sind. Oft sind es wirklich schwierigere Strukturen in der Seele eines Tieres, die sich manchmal vielleicht dämpfen lassen, aber nie wirklich ganz verschwinden werden.
Man denke an die vielen Straßenhunde, die sich ihr Leben lang vom Müll ernährt haben. Für einen solchen Hund wird eine Mülltüte niemals ein Tabu sein. Solche Hunde klauen vom Tisch und auch sonst alles, was nach Essen riecht. Wenn man einen solchen Hund in eine normale Familie, mit dem Wunsch, einen normalen Hund zu besitzen setzt, dann ist dies von vorneherein ein Holzweg.

Vielleicht war dieser Satz nun falsch formuliert. MAN KANN SCHON ! Aber es gehört immense Geduld und noch mehr Liebe diesem Tier gegenüber dazu, dass sich aus dem gegenseitigen Verstehen , dem Nehmen und Geben, ein harmonisches Zusammenleben ermöglichen läßt.

Wie oft haben Familien den Wunsch nach einem Hund, wenn man sich das traute Eigenheim erschaffen hat, die Kinder schon größer sind, und das neue familienfreundliche Auto vor der Türe steht. Dazu würde dann gut ein Hund passen, der aber stets stubenrein und vorbildlich erzogen sein muß.
Schön muß er auch sein, und Nachbars Katze darf er nicht jagen. Er darf eigentlich nur eines: Die kleine  Lücke, die im Familienleben noch übrig bleibt ausfüllen. Nicht mehr und nicht weniger. Bald wird es Streit unter den Kindern geben, WER denn nun mit dem Hund gehen muß.

Glauben Sie mir, ich kenne die Gesichter der Tiere, die mir manchmal noch auf der Straße begegnet sind, und die ich einst in der vollen Absicht, ihnen ein schönes Leben zu ermöglichen,  in ein  trautes Heim und Friede , Sonnenschein, vermittelt habe.
Und ich weiß, was diese Augen dieser Hunde mir oft erzählt haben.
?Bis zur Unkenntlichkeit vermittelt habe ich mir da oft gedacht. !!!

Da es mir fern liegt, ungerecht zu sein, möchte ich Ihnen natürlich nicht vorenthalten, dass es sie gibt, die wirklich liebevollen Menschen, die einem Tier ein zu Hause schenken, wo es wirklich glücklich sein darf. Wo über viele Jahre gelernt worden ist, auch mit den Fehlern des Tieres zu leben, wo diese Fehler nie gescholten oder bestraft wurden, sonder behutsam daran gearbeitet wurde,  wo das Herz die Gemeinschaft zwischen Mensch und Tier bestimmt. Danke all jenen, die ein Tier auch wenn es seine kleinen Eigenarten hatte, behalten haben, und auch weiter begleiten.

Auf der Suche nach solchen Menschen bin ich immer noch. Jederzeit würde ich dort einen Hund platzieren und wie das Leben nun so ist sind es oft die mehr chaotischen Plätze. Die Menschen, die manchmal nicht aufgeräumt haben , manchmal verschlafen, manchmal eben alle sechse grad sein lassen, um dann von dem letzten Euro Hundefutter zu kaufen, oder zum Tierarzt zu gehen. Davon gibt es leider nicht genug. Vielleicht werden genau diese Menschen dem gerecht, was ein Hund unter Leben versteht. Vielleicht weil der dazugehörige Menschen auch nicht immer unbedingt nach Regeln lebt. Was wir hier sagen können, ist dass ein Hund wirklich mit all seinen Sinnen ein Rudel um sich haben will. Das müssen nicht nur Hunde sein, ein intaktes Menschelrudel wird auch gerne angenommen. Aber der Hund muß ein Teil sein dieses Verbandes, und nicht nur schmückendes, oder vielleicht auch zeitweilig lästiges Beiwerk.
Dann wird er glücklich, und dann habe ich auch das Gefühl, dass ich etwas Gutes getan habe, diesen Hund zu platzieren.

Dies und viele andere Überlegungen haben dazu geführt, dass ich mich zum Jahr 2009 entschlossen habe, nur noch für meine Gnadenbrottiere da zu sein.
Ich werde vielleicht noch einige handverlesene Vermittlungen machen, für die mir zwei Pflegestellen zur Verfügung stehen.
Aber mehr kann und will ich nicht mehr tun.

Ich werde weiterhin mein Augenmerk auf alte und behinderte Tiere lenken, dies sei gesagt. Sobald ein Platz bei mir frei wird, darf der nächste kommen, sofern es die finanzielle Situation erlaubt.
Vielleicht kann ich auch behilflich sein bei der Vermittlung von Hunden oder Katzen, die ihr zu Hause verloren habe, vielleicht finde ich ja auch noch die eine oder andere Pflegestelle.

Aber alles in Allem, wäre es mir am Allerliebsten, wenn ich meinen Bestand auf dem Gnadenhof in Frankreich mit Futter und jeglicher notwendigen medizinischen Betreuung  versorgen könnte.
Selbstverständlich werde ich mich auch um jeden Rückläufer kümmern, der aus der vorherigen Vermittlungsarbeit evtl. auf uns zu kommt.

Somit geht mit diesem Jahr auch ein Lebensabschnitt meines Tierschutzlebens zu Ende, nämlich der Tiervermittlung.

Mein Wunsch ist es,  hier mit meinen Tieren alt zu werden, und dem einen oder anderen Unglücksraben noch ein bisschen Glück zu schenken.
Die Erkenntnis, nicht allen Tieren dieser Welt helfen zu können, war schon lange in mir gegenwärtig. Nun werden es eben noch ein paar weniger sein, denen durch mich ein vielleicht wie ich es in manchen Fällen  sehe - eher zweifelhaftes Glück beschert sein wird.
Nun müssen mir die Augen derer leuchten, die hier bei uns in Frankreich ihr Leben noch einmal genießen dürfen. Und ich muß die Augen verschließen vor dem Leid, das an der Tür pocht.

Ich habe zwar den Glauben verloren an die, die voller Euphorie ein Tier zu sich nehmen, und es drei Tage später, aus fadenscheinigen Gründen, wieder zurückgeben.
Ich habe auch den Glauben verloren an die sogenannten Mitstreiter, denen jeder , der mehr oder anders arbeitet, ein Dorn im Auge ist.
Und ich habe den Glauben verloren an die, die vorgeben zur Gerechtigkeit zu verhelfen.

Zeitweise habe ich auch den Glauben  an mich selbst verloren denn ich bin müde geworden - sehr müde??
Ich bin wieder aufgestanden um zu kämpfen, denn es gab Menschen, die mich auffingen. Den Glauben an Freundschaft, Hilfsbereitschaft und Treue musste ich also nicht verlieren.

Die Gnadenbrottiere sei es Hund, Katze Pferd oder andere,  sie brauchen mich und sie verlassen sich auf mich.
Deshalb werde ich alles daran setzen, diesen Tieren gerecht zu werden. Ich habe beschlossen, dass ich die Kraft nutzen werde, die ich von den Tieren und vielen, so rührend hilfsbereiten Menschen bekam und bekomme.: Liebe und Hilfe !
Ich glaube fest, an den Fortbestand des Gnadenhofes und wende mich mit tiefem Dank an alle meine lieben Freunde, die wieder Licht in unser Dunkel getragen haben, die ungefragt geholfen haben, die bereit waren und sind , mit uns zusammen den schweren Weg zu beschreiten,  unseren Tieren die Zukunft zu sichern.

Es war eine wichtige Erfahrung des Jahres 2008 für mich, dass ich nicht alleine bin.
Daß ich hilfreiche Hände finden konnte und die lieben Gedanken, Grüsse und Briefe die mich über die Feiertage erreichten, sprechen zu mir ein jeder Gruß , ein jeder Gedanke, wie ein kleiner Stern, der Licht scheinen läßt auch in jede noch so dunkle Ecke.

Ich bin so sehr dankbar für jede noch so kleine Hilfe.

Nicht  für mich ich bin unwichtig nein, für meine Tiere, die arglos dem neuen Tag entgegenträumen. Deren große und kleinen Fehler mit entscheidend sind , dass ich sie liebe und deren Schicksal in meinen Händen liegt und alleine ist der Weg zu schwer, die Last zu groß und das Leben zu kalt?

Ich wünsche allen Freunden der Arche e.V. ein frohes und glückliches Jahr 2009 Danke, einem jeden von Euch für Alles was Ihr für die Gnadenbrottiere der Arche getan habt!!!


Marion Noss